Angst besiegen

Im Ring mit Komfort-Zone & Furcht

Höhenmeter über die Angst hinaussteigen

 

Die Angst hat es so in sich und hält so manchen Outdoor Fan davon ab, den nächsten großen Schritt zu wagen (wortwörtlich). Schon als Kind wird uns eben von dem großen, bösen Wolf im Wald erzählt oder (besonders als Frau) von den merkwürdigen Typen, die einem auflauern könnten. Da fühlt man sich bei der Wanderung schon mal eher gestresst, als entspannt und locker.

Doch heißt das jetzt, dass wir uns einfach von all den Dingen, die uns mehr oder weniger passieren könnten, vom Trekking abhalten lassen sollen? Absolut nicht! Furcht zu empfinden ist menschlich, genau so haben wir als Menschen jedoch auch die Wahl, uns von unseren Ängsten nicht unterkriegen zu lassen. Die Angst kann besiegt werden, wenn wir uns ihr stellen. In diesem Artikel erfährst du von uns,  wie du trotzdem weiter deiner Leidenschaft des Trekkings nachgehen kannst und deiner Furcht den Kampf ansagst.

Warum sollten wir unsere Ängste besiegen, anstatt sie zu akzeptieren?

 

Bestimmt fällt dir auf diese Frage auch selbst einiges ein. Trotzdem ist es gut, wenn man sich ab und zu wieder daran erinnert, warum man sich den Stress eigentlich antut. Nur um nachts im Wald laufen zu können? Nein, da gehört schon mehr dazu.

Jedes mal wenn du dich deinen Ängsten stellst, erfährst du etwas Neues. Du bekommst etwas, was dir ansonsten verwehrt geblieben wäre. Stell dir deine Ängste einmal wie eine Blase um dich herum vor. Alles was außerhalb dieser Blase liegt verschwindet in dichtem Nebel. Mit jeder Angst, die du überwindest, lichtet sich dieser Nebel etwas. Beim Trekking erweiterst du so auch deine Möglichkeiten, besonderes zu erleben und zu sehen.

Dazu zählt auch, dass Grenzen, die du zu dir selbst aufgebaut hast, langsam zerbröckeln. Wenn du beim mehrtägigen Wandern nur dich selbst als Gesprächspartner hast, kannst du eine ganze Menge über dich erfahren. Dinge, die dir davor gar nicht bewusst waren, erscheinen auf einmal ganz klar. Du wirst selbst überrascht sein, wie viel es über dich selbst, deine Wünsche und deine Träume noch zu lernen gibt.

Nichts geht zudem über das Gefühl, etwas geschafft zu haben, von dem du dir nicht sicher warst, dass es für dich möglich wäre. Um nochmal auf die Metapher von vorhin zurückzugreifen: Der Nebel lichtet sich! Deine Welt hat sich wieder ein enormes Stück vergrößert und du bist freier als zuvor.

Einmal überwunden, verkleinert sich die Angst. Der nächste Trip über mehrere Tage in ein neues Gebiet oder bei Nacht erscheint dann schon leichter und so geht es immer weiter. Für die nächste schwierige, angsteinflößende Situation hast du dir dann schon einen etwas dickeren Pelz zugelegt. Es wird einfacher sein, sich dieser zu stellen. Du wirst in deinem Leben ständig neuen Herausforderungen begegnen. Das Ringen mit der Angst wird dich immer begleiten und das ist auch gut so. Auch wenn unsere Körper irgendwann damit aufhören, können wir mental doch größer werden. Denke einen Moment an eine Person, zu der du aufschaust. Würdest du für diese Person die selbe Bewunderung haben, wenn er oder sie immer vor seinen oder ihren Ängsten weglaufen würde?

Warum haben wir eigentlich Angst?

 

Am Anfang des Artikels war die Rede von einem großen, bösen Wolf. Tatsache ist aber, dass dieser sich nicht für dich interessiert und bei einer Begegnung davonlaufen wird. Das gilt auch für Wanderer mit roten Mützen 😉. Obwohl hier also keine Gefahr besteht, besitzen Leute diese Angst. Nicht alles, vor dem wir uns fürchten, basiert auf klaren Tatsachen, Fakten oder realistischen Vorstellungen. Manchmal ist unsere Angst unbegründet und ein Geschöpf unserer Fantasie. Das macht sie für uns aber nicht weniger real.

Natürlich steht im Kontrast dazu die Furcht vor etwas, das tatsächlich existiert, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eintritt oder zumindest möglich ist. Ein Beispiel hierfür wäre, dass wir uns verletzen und hilflos im Gebirge liegen. Fürchten wir uns, wissen wir, dass wir schnell aus einer Situation herauskommen müssen oder etwas nicht richtig ist. Angst hat also eine schützende Wirkung.

Person steht im nebligen Wald Eine Wanderin schaut in die Ferne auf die Berge Zwei Wanderer laufen in der Nacht auf einem Berg

Der Angst die Stirn bieten

 

Gute Vorbereitung & Training

Gute Vorbereitung, Planung und Training wird hier großgeschrieben. Überlege dir genau, wie viel du zu essen und zu trinken brauchst und bau deine Touren langsam aus. Stell sicher, dass du Klamotten und Ausrüstung hast, die dich warm halten und schützen. Dazu gehört auch Karte, Kompass und jegliche Apps, damit du dich nicht verirrst. Diese nützen allerdings nichts, wenn du nicht weißt, wie man damit umgeht. Das solltest du im kleinen Rahmen vor der richtigen Tour üben.

Bereite dich auch auf Situationen vor, in denen du dich verletzt hast:

  • Wie kannst du dich verarzten?
  • Was brauchst du dazu?
  • Wie machst du am besten auf dich aufmerksam?
  • Wo kannst du möglicherweise Hilfe herbekommen?

 

Informieren

Egal ob es sich um Tiere in der Gegend oder sonstige Angstauslöser handelt. Wissen ist ja bekanntlich Macht und kann auch die Angst nehmen. Um nochmal auf den großen, „bösen“ Wolf zurückzukommen: Tiere scheuen sich eher vor uns Menschen. Sie nähern sich dir nur mit gutem Grund, zum Beispiel, wenn sie etwas verteidigen möchten. Du kannst dich vorab zu Tieren und möglichen Gefahren in der Gegend informieren. Um so mehr du weißt, um so weniger brauchst du dich vor einer Konfrontation zu fürchten. Du wirst dich mit dem Wissen, was dich erwartet und was zu tun ist, sicherer fühlen.

 

Informationen „ausblenden“

Manchmal ist zu viel Wissen aber auch nicht gut. Gerade wenn es sich um Nachrichten handelt, die darauf abzielen zu schocken. Überlege dir also: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du tatsächlich im Wald von jemandem angefallen wirst? Trekking ist nicht mit dem Joggen zu vergleichen, wo eine begrenzte Auswahl an Strecken auf einer kleineren Fläche genutzt wird. Trekking folgt auch keiner Routine.

 

Sich so akzeptieren, wie man ist

So schön es auch ist, neue Seiten an sich zu entdecken, kann es für manche angsteinflößend sein. Wir sind eben Menschen, wir sind nicht fehlerfrei. Selbst wenn du also auch Merkmale an dir entdeckst, die du so gar nicht leiden kannst oder auch mal vor einem Hindernis zurückschreckst, fühl dich nicht schlecht deswegen. Das gehört halt dazu. Das wichtigste ist: Nicht aufgeben! Arbeite weiter an dir und wer weiß, vielleicht bezwingst du das Hindernis beim nächsten Versuch.

 

Schritt für Schritt

Kein Trekking Anfänger wird sofort eine zwei Wochen Tour durch die Alpen packen. So verhält es sich auch mit den Ängsten. Stell dich deiner Furcht Schritt für Schritt. Wenn du dich noch nicht getraust, zu weit weg von zu Hause draußen zu schlafen, suche dir fürs Erste einen Wald in deiner Nähe. Das ist viel einfacher, als für die Trekkingtour weit weg zu fahren und im Notfall bist du schnell wieder daheim im eigenen Bett. Für den nächsten Ausflug wählst du eine Route, die schon etwas ferner liegt und immer so weiter.

Als Frau alleine wandern? Aber klar!

 

Nicht jedes Wochenende muss mit dem Partner/ der Partnerin oder der Mädels-Gruppe verbracht werden. Wenn der Wetterbericht einen klaren, sonnigen Himmel ankündigt, zieht es Outdoor Fans auch einfach mal in die Berge oder den Wald. Die Frauen unter euch, die jetzt gerade ein mulmiges Gefühl bekommen haben, sollten vorab wissen, dass sie damit nicht alleine sind. Egal, um was es sich handelt, einem wird ja immer gesagt, dass man bloß in der Gruppe gehen und bleiben soll. Dabei kann man als Frau gut alleine wandern, auch für mehrere Tage. Gegen das flaue Gefühl im Magen, kannst du ein paar Dinge tun.

Erkundige dich über die Gegend, wer oder was sich dort befindet und die Strecke, die du dir vorgenommen hast. Dann weißt du noch vor dem Loslaufen, wo sich ungeeignete Stellen befinden. Überlege dir, wie du diese umgehen kannst. Falls du sie doch meistern möchtest, weißt du welche Ausrüstung du benötigst. Jeder Ernstfall kann durch gute Planung abgefedert werden. Das bedeutet: Handy am Vorabend aufladen, einstecken und zumindest das Nötigste zum Verarzten von Wunden mitnehmen.

Auch wenn das Wochenende ohne deine Liebsten stattfindet, sag ihnen Bescheid, wohin du gehst und wie lange du ungefähr weg sein wirst. Das hat nichts mit Schwäche zu tun und untermauert auch nicht deine Unabhängigkeit. Bestimmt hast du auch schon mal deine Eltern oder Bekannten gebeten, dir eine kurze Nachricht zu schreiben, sobald sie sicher zu Hause angekommen sind. Wir möchten eben wissen, dass es den Menschen, die uns wichtig sind, gut geht. Versuch diesen Vorsatz auch einzuhalten, während du unterwegs bist. In diesem Fall ist es eben die nette Besitzerin des Gasthaus, bei dem du auch die nächsten zwei Tage noch übernachten willst.

Beim Alleine-wandern fühlt man sich einfach frei und sorglos. Genieße deine Tour in vollen Zügen und sammele spannende Erfahrungen, von denen du dann deinen Liebsten zu Hause erzählen kannst!

Angst vor Nacht, Wald & Nebel

Gruseliger und dunkler Wald im Nebel

Für manche Menschen wird der tagsüber schöne, helle Wald nachts zu einem unheimlichen, grünen Ungetüm. Das heißt, falls man die Farbe der Bäume überhaupt noch erkennen kann 😄 Verständlicherweise macht uns die Dunkelheit und das Abgeschottet-sein zu schaffen. Zudem wird der Wald nun mal gerne als Schauplatz für Schauergeschichten und Horrorfilme verwendet. Das kurbelt die Fantasie ganz schön an. Dabei braucht man nachts im Wald keine Angst zu haben und es ist auch nicht gefährlich.

Auch spät abends haben Tiere noch mehr Angst vor dir als du vor ihnen. Das fehlende Licht ändert an dieser Tatsache nichts. Der Wald ist ein sehr lebendiger Ort. Versuch dir das immer in Erinnerung zu rufen, wenn du zwischen den Bäumen ein Geräusch hörst. Etwas hat hinter dir geraschelt? Dann ist wohl gerade eine Eule von einem Baum zum nächsten geflogen.

Falls dich das trotzdem noch nicht so ganz überzeugt hat, trommel ein paar Freunde zusammen und fang mit einer gemeinsamen Nachtwanderung an. Oder lege dich auf die Pirsch und beobachte die Waldtiere – du wirst sehen, sie suchen friedlich nach Futter oder erkunden ihr Revier. Das macht nicht nur enorm Spaß, sondern nimmt auch langsam die Angst.

Wolf in den Wäldern

Wolf im Schnee

Ja, wir kommen schon wieder auf den Wolf zurück. Es ist spannend zu sehen, wie sehr Geschichten aus unseren Kindertagen unser Verhalten heute noch prägen können. Anders als in den Märchen beschrieben, gibt es keinen Grund, sich vor dem Wolf zu fürchten. Wölfe werden nur dann gefährlich, wenn man sie bedrängt. Solange du das lässt, brauchen du und deine Großmutter euch keine Sorgen zu machen. Im Gegenteil – Wölfe sind scheu und einen zu sichten ist ein besonderer Moment, den du genießen solltest!

Sich von der Höhenangst verabschieden

 

Manche genießen den Ausblick von ganz weit oben. So klein kann die Welt doch aussehen, wenn man nur hoch genug steht. Für andere Menschen hingegen ist die Höhe das reinste Grauen. Trekking und Höhe pflegen aber oft eine innige Freundschaft. Es geht hoch, runter, geradeaus und das eben auch an Abhängen und bei Bergen. Wichtig ist, dass du dich selbst nicht dafür verurteilst. Positives Denken ist hier gefragt. Sich selbst runter zu machen, bringt einen keinen Schritt weiter. Deine Höhenangst kannst du überwinden, aber nur mit viel Geduld und Verständnis gegenüber dir selbst.

Taste dich langsam voran. Geh den Weg bewusst und stell dir genau vor, wie du laufen möchtest. Deine Knie müssen nicht komplett durchgedrückt sein, ganz im Gegenteil zum Rücken, der bleibt gerade. Achte zudem bei den Füßen auf genügend Abstand. Die Furcht vor der Höhe ist leider nichts, was man von zu Hause aus bewältigt bekommt. Das einzige was hilft, ist, sich immer wieder in die Situation zu begeben und die Angst zu konfrontieren. Dabei startet man aber nicht bei den furchterregendsten  Höhen, sondern arbeitet sich voran. Die Höhenangst, sowie eben auch alle anderen Ängste und Phobien, verfliegt nicht von heute auf morgen.

Davon solltest du dich aber nicht entmutigen lassen. Du wirst sehen, wie du dich langsam steigerst und was früher unmöglich war, wird machbar. Zwing dich nicht, den gesamten Weg zu gehen. Die ersten Schritte packst du aber bestimmt. Dann kannst du umdrehen und sehen, was du geschafft hast. Dein Trekking Partner oder deine Trekking Partnerin sollten dir dabei mit Verständnis entgegenkommen. Sie können dich sozusagen in die mentale richtige Richtung lenken.

Lass locker und blende die Höhe aus. Denke an einzelne, kleine Ziele, wie die nächste Kurve, die du siehst. Die Höhenangst bewältigen zu wollen, ist eine tolle Sache, auf die du stolz sein kannst. Nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen, dass andere diese Angst nicht haben und ergreife gerne jede helfende Hand.